HNO, Atemwege und Lunge


Ateminsuffizienz und Lungenversagen

Akute Ateminsuffizienz

Akute Ateminsuffizienz (akute respiratorische Insuffizienz): Lebensbedrohliche Lungenfunktionsstörung mit Sauerstoffunterversorgung des Körpers. Schwerste Atemnot, Blaufärbung von Haut und Schleimhäuten und evtl. Verwirrtheitszustände kennzeichnen diesen bedrohlichen Zustand.

Die Ateminsuffizienz kann einerseits entstehen, wenn sich chronische Erkrankungen akut verschlechtern, z. B. ein Asthmatiker in den Status asthmaticus kommt oder andererseits plötzlich bei akuten Erkrankungen, z. B. bei einem Lungenödem im Rahmen eines Herzinfarkts, einer Pneumothorax oder als massive allergische Reaktion. Sofortige intensivmedizinische Versorgung mit Sauerstoffgabe und spezielle Medikamente sind notwendig. Eventuell muss auch eine künstliche Beatmung erfolgen.

Akutes Lungenversagen

Akutes Lungenversagen (ARDS, Acute respiratory distress syndrome, Schocklunge): Wurde die Lunge direkt oder indirekt geschädigt, kann sie ihre Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen, und es kommt innerhalb von 6–48 Stunden zu schwerem Sauerstoffmangel im Blut. Die Atemtätigkeit des Betroffenen ist abgeschwächt, und sein Atemminutenvolumen ist vermindert. Zu einem Lungenversagen führen Schockzustände, Blutvergiftung, schwere Verletzungen, Einatmen von Erbrochenem, Reizgase, Höhenlungenödem, Lungenentzündung oder „Beinahe-Ertrinken“. Diese Schädigungen führen zu einer Entzündungsreaktion in den Lungenbläschen, wodurch sich Gewebeflüssigkeit in der Lunge sammelt. Es bildet sich ein Lungenödem, das den Gasaustausch massiv behindert.

Der Betroffene leidet unter rasch zunehmender Atemnot, Unruhe und Verwirrtheit. Die Erkrankung erfordert eine sofortige Beatmung. Weitere Maßnahmen hängen von der zugrunde liegenden Ursache ab (z. B. Gabe von Antibiotika bei Infektionen, Flüssigkeitsersatz und kreislaufstützende Medikamente beim Schock). ~ 40 % der Patienten sterben am akuten Lungenversagen.

Überlebt der Erkrankte, entwickelt sich anschließend in vielen Fällen eine Lungenfibrose, die sich meist wieder – über viele Monate – langsam zurückbildet, manchmal aber auch lebenslang die Lungenfunktion einschränkt.

Chronische Ateminsuffizienz

Chronische Ateminsuffizienz (chronische respiratorische Insuffizienz): Unheilbares Endstadium chronischer Lungenerkrankungen wie z. B. Lungenfibrose, COPD, Lungenemphysem. Infolge eines gestörten Gasaustauschs kommt es zu mangelhafter Sauerstoffversorgung und unzureichender Ausatmung von Kohlendioxid.

Gekennzeichnet ist die chronische Ateminsuffizienz durch eine erschwerte und beschleunigte Atmung, bläulicher Verfärbung der Haut und der Schleimhäute (Zyanose) als Zeichen des Sauerstoffmangels. Bei länger bestehendem Verlauf entwickeln sich Uhrglasnägel und Trommelschlegelfinger. Unruhe und eventuell auch Verwirrtheitszustände treten ebenfalls auf. Da die Erkrankung langsam entsteht, gewöhnt sich der Körper an diesen Zustand.

Die chronische respiratorische Ateminsuffizienz ist nicht heilbar, und die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung. Abhängig vom Schweregrad erfordert die chronische Ateminsuffizienz meist eine Sauerstoff-Langzeittherapie.

Nachgewiesen wird die chronische Ateminsuffizienz mit Hilfe der Blutgasanalyse

Je nach gemessenen Werten werden zwei Formen unterschieden:

  • Respiratorische Partialinsuffizienz: Verminderung des Sauerstoffgehalts im arteriellen Blut unter einen Grenzwert von ~ 70 mmHg bei normalem bis erniedrigten Kohlendioxidgehalt (arterielle Hypoxämie).
  • Respiratorische Globalinsuffizienz: Zusätzlich zur Verminderung des Sauerstoffgehalts ist die Kohlendioxidkonzentration im Blut auf über 45 mmHg erhöht (Hyperkapnie).

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